Museum Kurhaus / Kleve

Ewald Mataré Sammlung


Vorschau

Jürgen Paatz
(fast) Alles 19.03.2023–11.06.2023

Für das neue Jahr (19. März bis 11. Juni 2023) bereitet das Museum Kurhaus Kleve eine längst überfällige Einzelausstellung des Künstlers Jürgen Paatz vor. Die Ausstellung wird alle Schaffensphasen umfassen, aber einen besonderen Fokus auf die installativen Arbeiten legen, die selten gezeigt wurden: In enger Zusammenarbeit mit dem Künstler wird eine Ausstellung entstehen, die auf ortsspezifisch eingerichtete Räume fokussieren und Objekte aus allen Schaffensphasen zeigen wird.

Als Jürgen Paatz zu Beginn der 1970er Jahre in der Villa Romana in Florenz zu Gast war, hatte er sich bereits seit einigen Jahren vom konventionellen Tafelbild abgewandt. Anstelle dessen nahm er eine Position zwischen dem Objekt und der flachen Malerei ein: Er hängte bemalte Tücher an die Wände, die keine fertigen Werke definierten, sondern nur einen vorübergehenden Zustand einnahmen, der jederzeit in einen anderen übergehen konnte. Er fotografierte die Strukturen von Fassaden in italienischen Städten, deren ruinösen Prozesse ihn interessierten und er veränderte gewohnte Raumsituationen, indem er einen Durchgang kurzerhand mit Gips überzog und ihn dadurch in ein Wandobjekt transformierte.

Die Suche nach einer erweiterten Malerei nimmt bei Paatz zwei Formen ein: Er sprengt den Rahmen einerseits durch den Bezug zu Objekten, andererseits durch eine Arbeitsweise, die eine Form der Performance beschreibt und auf einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen ihm und dem Bild basiert. Letztere geht zurück auf einen Text von Roland Barthes, indem dieser die Malerei mit zwei alltäglichen Handlungen vergleicht: dem Schreiben und dem Kochen. Für Barthes sind diese Aktivitäten nicht nur mit verschiedenen Gesten der Hand verbunden, sondern sie bringen auch verschiedene Effekte mit sich. Während das Schreiben kratzt, gräbt, und riffelt, zielt das Kochen auf die Veränderung der Materie durch Weichmachen, Eindicken, Verflüssigen und Einölen. Das Erste höhlt aus, das Zweite glättet. Das Malen in den Kontext von Kochen und Schreiben zu stellen, bedeutet auch die Dynamik der Materialien und der verwendeten Werkzeuge ins Zentrum zu stellen. Wegzurücken von den fertigen Arbeiten und vom Mythos des Künstlergenies, hin zu Prozessen der Entstehung und des Handwerks. Eine solche prozessorientierte Vorgehensweise war essentiell für Künstler der Arte Povera oder der Process Art. Genau hier setzt Jürgen Paatz an, transformiert deren Ansätze allerdings in performative Handlungen, die den Leinwänden eine ungewohnte Unmittelbarkeit geben.

Die Eröffnung findet am Sonntage, den 19. März 2023, um 11.30 Uhr statt. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Jürgen Paatz, Ohne Titel, 1989
Jürgen Paatz, Lana di ferro 3, 1971
Installation in der Villa Romana, Florenz