Museum Kurhaus / Kleve

Ewald Mataré Sammlung


Denise Green 28.05.2006–03.09.2006

Mit einer Präsentation, die rund 80 Arbeiten und den Zeitraum 1972 bis 2006 umfasst, stellt das Museum Kurhaus Kleve die Arbeit der in Europa noch kaum bekannten New Yorker Malerin Denise Green vor. Durch zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in ihrem Heimatland Australien hat sich die Künstlerin durch die Jahre einen hervorragenden Ruf erworben. Ihre Arbeiten befinden sich in zahlreichen bedeutenden Sammlungen weltweit, u.a. im Museum of Modern Art und im Solomon R. Guggenheim Museum, beide in New York, in der Australian National Gallery, Canberra, und in der Graphischen Sammlung Albertina, Wien.

Denise Green wurde 1946 in Melbourne, Australien, geboren und absolvierte ihr Studium in Paris und New York, wo sie seit 1969 ansässig ist. Ihr seit den frühen 1970er Jahren sich entfaltendes Werk vereinigt konsequenterweise Einflüsse unterschiedlichster Kulturen: Sie beschäftigte sich nicht nur intensiv mit der Kunst der australischen Aborigenes und dem Theater des indischen Subkontinents, sondern auch mit europäischer Malerei, Geschichte und Philosophie. Eine entscheidende Rolle spielte darüber hinaus die Lehre zweier wichtiger Protagonisten des Abstrakten Expressionismus in Amerika: Robert Motherwell und Mark Rothko. Greens Arbeiten im Spannungsfeld von Figuration und Abstraktion sprechen existentielle Grundfragen an: Einsamkeit und Verlorenheit, Trauer, Angst und Melancholie ebenso wie Freude und Glück oder träumerische Versunkenheit. Mit einer äußerst reduzierten Formensprache schafft sie Bilder, die einerseits ihr subjektives Erleben (und das heißt auch: ihre Erfahrungen als Grenzgängerin zwischen den Kulturen) widerspiegeln, andererseits aber durch ihren archetypischen Charakter für jeden Menschen intuitiv zugänglich sind. In dieser Hinsicht fühlt Green sich geistverwandt mit Joseph Beuys, der in vergleichbarer Weise Bilder und Medien als „substances of transformation“ begriffen und ebenfalls „an invisible spirituality“ habe ausdrücken wollen.

1978/79 absolvierte Green einen viel beachteten Auftritt in der Schau „New Image Painting“ des Whitney Museum of American Art, New York – die dort ausgestellten Werke wie „Standing Object“ (1976) oder „Marker (Gold)“ (1977) befinden sich in der Wandelhalle des Museum Kurhaus Kleve. Eine zentrale Rolle bei diesen markanten Arbeiten spielt die Abstraktion – zentralisierte Motive wie Vasen, Falltüren oder Schlitten werden aus ihrem ursprünglichen Umfeld heraus gelöst und schweben in einem leeren Raum aus gemalter Farbe. Abgetrennt von Zeit, Ort und Geschichte vermitteln sie innere Zustände wie Isolation, Empfindlichkeit oder Schutzbedürftigkeit.

Am Beginn der Ausstellung, in Saal 6 des Museum Kurhaus Kleve, werden frühe Zeichnungen und Acrylbilder der Künstlerin von 1976 gezeigt, die zu dieser Zeit fast ausnahmslos quadratisch sind. Die Werke adaptieren einerseits formale Errungenschaften des Abstrakten Expressionismus, der Minimalismus und der Konzeptkunst, durchbrechen diese Strömungen aber andererseits durch den Einsatz figurativer Elemente. Die dargestellten Formen werden aus ihrem ursprünglichen Kontext herausgetrennt und scheinen in einem leeren bzw. farbigen Raum zu existieren. Alle üblichen Normen und Kategorien werden umgangen, Kleines und Großes, Architektur und Natur, Mensch und Landschaft werden nach denselben formalen Maßstäben aufgegriffen und verarbeitet.

Die Pinakothek des Museum Kurhaus Kleve vereinigt Werke aus den späten 70ern wie „So Is A Bearded Lady“ (1978) oder „Trap“ (1976) und den Jahren 2001 bis 2005, wie „A Rose is a Rose is a Rose (Marvin)“ (2005). Durch die emotional aufgeladene Darstellung „Re-Witnessing“ („Noch einmal erleben“) von 2001 verarbeitet die Künstlerin die Geschehnisse des 11. Septembers, die sie aus dem Fenster ihres Ateliers in New York als Augenzeugin miterlebt hat. Vor einem dunklen Hintergrund zeichnen sich die Umrisse etruskischer Vasen ab, die von einem Muster dichter vertikaler Streifen, die unmittelbar an die markanten Stützpfeiler des World Trade Center erinnern, überblendet werden – ein Motiv, das die Künstlerin bereits 1972 in Teilen angewandt hatte und das in dieser neuen, hermetisch wirkenden Komposition zu neuer Bedeutung fand.
In der Galerie des Museum Kurhaus Kleve befindet sich eine neue, noch nie öffentlich gezeigte Werkgruppe, die „Square Column Series“ (2006), die eigens für diese Ausstellung und in Auseinandersetzung mit der spezifischen Architektur des Hauses geschaffen wurde. Im Zentrum jeder quadratischen, ca. 35 mal 35 cm messenden Tafel befindet sich jeweils ein einzelnes gegenständliches Motiv, das aus der umgebenden, lebendig modulierten Farbfläche aufzutauchen oder in ihr zu versinken scheint. Als Leitmotiv fungiert ein kompakter stereometrischer Block, der – diagonal ins Bild gestellt – wie ein abstrahiertes Gebäude mit Flachdach und Turm anmutet. Diese Assoziation wird durch die Namen, die die Künstlerin diesen Arbeiten gegeben hat, noch verstärkt – wie etwa „vault“ (Wölbung), „spire“ (Turmspitze) oder „capital“ (Kapitell).
Denise Green, New Image Paintings im Museum Kurhaus Kleve
Denise Green, A Rose is a Rose is a Rose (Marvin), 2005 (Detail)
Denise Green, A Rose is a Rose is a Rose (Ramanujan), 2005
Denise Green, To Beuys #2, 1977
Denise Green, #1 Drawing to Beuys, 1976
Denise Green, Capital Flowers (Square Column Series #2), 2006 (Detail)
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