Museum Kurhaus / Kleve

Ewald Mataré Sammlung


Nachruf Sonja Mataré

9. August 1926, Aachen – 7. Oktober 2020, Büderich

 In tiefer Trauer nehmen wir Abschied von einer großen Persönlichkeit und großzügigen Förderin von Kunst und Kultur. Ihr lebenslanges Engagement für das künstlerische Werk ihres Vaters Ewald Mataré (1887-1965) bildete eine wesentliche Grundlage für das 1997 eröffnete Museum Kurhaus Kleve – Ewald Mataré-Sammlung. Die Arbeit dieses Hauses hat sie seitdem auf unersetzliche Weise mit Rat und Tat und einer eigenen Stiftung unterstützt. Ihre Lebensklugheit, ihre Warmherzigkeit und freundschaftliche Verbundenheit werden uns sehr fehlen. Wir werden ihr stets ein ehrendes Gedenken bewahren und den künstlerischen Nachlass Ihres Vaters weiterhin in ihrem Sinne pflegen.

Geboren in den bewegten Zeiten der Weimarer Republik, erlebte Sonja Mataré ihre frühe Kindheit in der pulsierenden Metropole Berlin. Auf Empfehlung von Paul Klee folgte ihr Vater 1932 einem Ruf an die Düsseldorfer Kunstakademie, womit ein Umzug der kleinen Familie in das linksrheinische Büderich verbunden war. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde Ewald Mataré aus dem Amt gejagt und zum „entarteten Künstler“ erklärt. Die damit verbundene finanzielle Unsicherheit und gesellschaftliche Ächtung erlebte die heranwachsende Tochter als prägende Erfahrung zwischen humaner Herkunft und staatlicher Barbarei. Nach Kriegsende absolvierte sie eine Ausbildung zur Goldschmiedin und eröffnete hierauf im Wohn-und Atelierhaus der Eltern in Büderich eine eigene Werkstatt. Gleichwohl blieb sie dem Werk des Vaters aufs Engste verbunden und erlebte dessen Aufstieg zu einem der angesehensten Künstler und einflussreichen Akademielehrer der Jahre 1946 - 1965 aus nächster Nähe mit. Damit verbunden waren sowohl wichtige Begegnungen mit anderen Persönlichkeiten und Künstlern wie etwa dem jungen Joseph Beuys als auch gelegentliche Kooperationen mit dem Vater beim Entwerfen von Schmuck und Gebrauchsgegenständen.

Mit dessen Tod begann für Sonja Mataré ein neuer Lebensabschnitt, der, anfangs noch gemeinsam mit ihrer Mutter Hanna Mataré (1891-1983), zunehmend der Pflege und Aufarbeitung des künstlerischen Nachlasses gewidmet war. In diesen Zeitraum fiel 1977 die Auffindung der von den Nazis zerstörten Skulptur des „Toten Kriegers“ in Kleve, ihre Restaurierung und Wiedererrichtung vor der Stiftskirche St. Mariae Himmelfahrt und damit auch der Beginn einer wachsenden Lebensverbundenheit Sonja Matarés mit dieser Stadt am Niederrhein. Insbesondere ihre Begegnung mit dem damaligen Museumsdirektor Guido de Werd erwies sich dabei als äußerst folgenreich, führte sie doch 1988 zu einem Vertrag der Überlassung wesentlicher Teile des künstlerischen Nachlasses von Ewald Mataré an die Stadt Kleve sowie zur dadurch möglich gewordenen Neukonzeption des leerstehenden Kurhauses als Museum Kurhaus Kleve – Ewald Mataré – Sammlung.

Seit dessen Eröffnung im April 1997 begleitete Sonja Mataré alle Aktivitäten des Hauses mit allergrößtem Interesse und unermüdlichem Engagement. Sie wurde zur öffentlichen Person im kulturellen Leben des Freundeskreises und der gesamten Stadt sowie zur ersten Instanz bei allen Fragen zum Werk ihres Vaters. In der ihr eigenen Verbindung von bürgerlicher Kultiviertheit und hochentwickeltem künstlerischen Urteilsvermögen erwarb sie sich weithin Anerkennung, tiefempfundene Zuneigung und vorbehaltlosen Respekt. Bis ins hohe Alter bewahrte sie sich produktive Neugier und lebensbejahende Zuversicht. Wir werden sie sehr vermissen.  

 

Harald Kunde und das gesamte Team des Museum Kurhaus Kleve – Ewald Mataré - Sammlung

 

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Ori Gersht, The Patrons (Sonja Mataré), 2015
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