Museum Kurhaus / Kleve

Ewald Mataré Sammlung


Giovanni Anselmo 26.09.2004–09.01.2005

In Kooperation mit Ikon Gallery, Birmingham, richtet das Museum Kurhaus Kleve eine umfassende Einzelausstellung des bedeutenden italienischen Arte Povera-Künstlers Giovanni Anselmo aus, der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feiert. Anselmos Werk war hierzulande bislang nur ausschnittartig in Galerien und in Übersichtsausstellungen zu sehen. Die Ausstellung im Museum Kurhaus Kleve ist die erste große Präsentation in einem deutschen Museum. Insgesamt werden rund 20 Arbeiten gezeigt, die einen umfassenden Eindruck von Anselmos Schaffen vermitteln. Einen Höhepunkt stellt die neue große Installation „Dove le stelle si avvicinano di una spanna in più ...“ (2004) dar, die der Künstler eigens für Kleve und Birmingham konzipiert hat.

Die Initialzündung für Giovanni Anselmos Kunst war die Besteigung des Vulkans Stromboli im August 1965. Als er bei Tagesanbruch den Kraterrand erreichte, projizierte die hinter ihm aufgehende Sonne seinen Schatten nicht – wie üblich – auf den Boden, sondern ins Unendliche. Anselmo photographierte diese Erfahrung und verschrieb sich seither dem Ziel, das Immaterielle materiell erfahrbar zu machen und mittels des Sichtbaren das Unsichtbare zu zeigen.

Zwei Aspekte sind in Anselmos Schaffen von besonderer Bedeutung: Energie und Schwerkraft. Berühmt ist etwa seine Arbeit „Struttura che mangia / Struktur, die isst“ (1968), ein großer Granitblock, an den ein kleinerer angebunden ist. Zwischen den beiden Steinen klemmt ein Salatkopf, und sobald dieser welk wird und trocknet, geht die Spannung verloren und stürzt der kleinere Block zu Boden – eine Katastrophe durch Energieverlust. Von der durch einen enormen Energieaufwand möglich gewordenen Überwindung der Schwerkraft handeln jene Arbeiten, bei denen Anselmo Steinblöcke mit Hilfe von Stahlseilen an die Decken oder Pfeiler von Ausstellungsräumen hängt. Die Steine, deren physische Erscheinung dem Betrachter ein immenses Gewicht suggeriert, spotten dem Gesetz der Gravitation und machen es zugleich auf neue Weise bewusst.

Im Zentrum der Ausstellung in Kleve und Birmingham steht die neue Arbeit „Dove le stelle si avvicinano di una spanna in più ... / Wo die Sterne eine Handbreit näher kommen ...“ (2004). Sie besteht aus 40 am Boden liegenden Granitblöcken und mit diesen korrespondierenden Farbfeldern in Ultramarin, die direkt auf die Wand gemalt werden. Wenn das tiefe Blau eine unbestimmbare Ferne, ein Anderswo anzeigt, so sind die Steine gleichsam die erste Stufe, über die der Betrachter sich dieser anderen Ebene der Realität nähern kann. Mit ihrer Hilfe gelangt er von Hier nach Dort – vom Materiellen zum Immateriellen.

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Giovanni Anselmo, Particolare, 1972-2004
Giovanni Anselmo, Entrare nell'opera, 1971
Giovanni Anselmo, Il panorama con mano che lo indica, 1982
Giovanni Anselmo, Invisible, 1971
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