Museum Kurhaus / Kleve

Ewald Mataré Sammlung


Das Museum Kurhaus Kleve

Das Museum Kurhaus Kleve wurde nach beinahe zehnjähriger Planungs- und fünfjähriger Bauzeit 1997 eröffnet. Sein heutiges Aussehen verliehen ihm, in effektiver Zusammenarbeit und sorgsamen Umgang mit dem historischen Kern, der niederländische Typograph und Entwerfer Prof. Walter Nikkels und der Architekt Heinz Wrede. Innerhalb der klassizistischen und wilhelminischen Mauern konnte ein meisterliches Zusammenspiel der denkmalwürdigen Bausubstanz mit neuer Architektur erzielt werden.

Die frühere Wandelhalle, in der ehemals Kurgäste lustwandelten, ist heute durch drei längst gerichtete Galerien eingenommen. Sie bilden das Herzstück des Museums und zeigen das ganze Jahr hinüber wechselnde Ausstellungen zu zeitgenössischer Kunst. Die Säulengalerie, die beim Umbau ergänzt wurde, mit einer die gesamte Südseite einnehmenden Fensterfront verbindet in atmosphärischer Weise den steil abwärts zum Gebäude laufenden Hang mit dem Innenraum. Der 55 Meter lange Saal eröffnet ungeahnte Möglichkeiten, Kunstwerke jenseits ihrer konventionellen Präsentationsformen darzubieten. So lassen sich etwa Giuseppe Penones „Alberi Orizzontali“ (1970-91), die meist nur einzeln und aufrecht stehend vorgeführt werden, erstmals in einer bemerkenswerten Gliederung ausstellen. Richard Longs „Midsummer Flint Line“ (2001), eigentümlich eingerahmt durch die räumliche Länge und belebt durch die bewegte Säulenreihe, entfaltet erst darin unerwartete Dimensionen. Am Westende der Säulengalerie befindet sich die nordwärts gerichtete Brunnenskulptur der Göttin der Weisheit, Pallas Athene. Die Figur ist ein Geschenk der Stadt Amsterdam an Johann Moritz von Nassau-Siegen, Kleves brandenburgischen und äußerst kunstsinnigen Statthalter des 17. Jahrhunderts.

An die Säulengalerie reihen sich die Oberlichtgalerie (Pinakothek) und die Wandelhalle, die bereits allein durch ihre Architektur beeindrucken. Sie werden durch eine neu entworfene Treppe geteilt, die aus den zwei Wandscheiben kulminiert und den Besucher in die oberen Stockwerke lockt.

Das im Westen anschließende Friedrich-Wilhelms-Bad behielt durch seine hohe historische Qualität seinen Zustand von 1846. Im Obergeschoss werden in drei Sälen sowohl Porzellan und Kunsthandwerk als auch zeitgenössische Kunst gezeigt. Die beiden schmalen Zimmer an den Stirnseiten werden durch die symmetrische Installation „Klever Raum“ (1988) von Ulrich Erben geziert.

Für 2008/09 ist die Rückführung des Untergeschosses des Friedrich-Wilhelms-Bades in den Zustand von 1957-64 geplant – in einen Zeitabschnitt also, in dem Joseph Beuys die Räume als Atelier nutzte und etwa Werke wie das monumentale Eichenkreuz und das Tor für das Ehrenmal im alten Kirchturm in Meerbusch-Büderich schuf.

Das Badhotel, das vor dem Umbau bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet war, erhielt eine neue architektonische Großzügigkeit. Die Kleinteiligkeit des Hotelgebäudes mit einer Vielzahl von Zimmern wurde aufgegeben, stattdessen wurde etwa die Rückwand der einen Seite des Gebäudes nach hinten versetzt. Dadurch entstand ein doppelgeschossiger Ausstellungssaal im ersten Stock, der den zum großen Teil längs gerichteten Sälen eine enorme Höhendominante entgegenhält. Hier wurden etwa, den Außenraum durch das Lanzett-artige Fenster einbeziehend, Lothar Baumgartens „Imago Mundi (L’autre et L’ailleurs)“ (1988) oder Giuseppe Penones „Lo Spazio della Scultura (Pelle di cedro)“ (2005) präsentiert.

Der Ostkomplex des ersten Stockwerks bietet Raum für die ständige Sammlung des Museum Kurhaus Kleve, vornehmlich Skulpturen, Holzschnitte und Aquarelle des rheinischen Künstlers Ewald Mataré (1887-1965). Sein umfangreicher künstlerischer Nachlass ist dank einer Schenkung seiner Tochter Sonja Mataré im Museum untergebracht.

Das Museum Kurhaus Kleve ist von einer historischen Gartenlandschaft umgeben, die Mitte des 17. Jahrhunderts durch Johann Moritz von Nassau-Siegen entstanden ist und seit den frühen siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts vom Landschaftsarchitektenpaar Rose und Gustav Wörner wieder hergestellt wurde. Die eindrucksvolle Gartenarchitektur wird durch zwei sich gegenüber stehende Figuren ergänzt – der „Pallas Athene“ von Artus Quellinus d.Ä. (1660) und dem „Neuen Eisernen Mann“ von Stephan Balkenhol (2004). Die Göttin der Weisheit und der Gott des Krieges scheinen sich so, vom Boden aus und hoch oben von einer Säule herabblickend, direkt anzusehen.

Im angrenzenden Forstgarten befinden sich die subtile Skulptur „Versinkender Würfel“ von Günther Zins (1993) und das sich eindrucksvoll auf einer Lichtung befindliche, sechszehn Meter hohe „L’Ombra del bronzo“ aus der Hand Giuseppe Penones (2002).

Das Museum Kurhaus Kleve positioniert sich am Kultur-Schauplatz als Kunstmuseum mit internationaler Ausrichtung. Sein Schwerpunkt liegt auf zeitgenössischer Kunst von den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts an bis heute.

Dank der tatkräftigen Unterstützung des Freundeskreises Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve e.V., der mittlerweile über 1.560 Mitglieder verfügt, konnte die zeitgenössische Kollektion des Museums seit seiner Eröffnung schnell anwachsen. Dazu zählen etwa Werke von Gerhard Richter, Christo, Yves Klein, Cy Twombly, Günther Uecker oder Robert Morris.

Die Sammlung wurde durch Arbeiten aus den im Haus abgehaltenen Ausstellungen internationaler Gegenwartskünstler, wie Franz Gertsch, Richard Serra oder Mario Merz, stetig vergrößert. Eine Vielzahl von ihnen fertigte wichtige, zum Teil speziell für die Ausstellungen entworfene Kunstwerke an, die das Haus ankaufen konnte – etwa Richard Longs „Midsummer Flint Line“ (2001) oder Niële Toronis Arbeiten in situ wie „Au Café Moritz, hommage à Max“ (2002). Daneben wurde ein besonderer Akzent auf Werke der Photographie gesetzt, etwa von Thomas Struth, Andreas Gursky, Thomas Ruff oder Jeff Wall.

Weiterhin existiert im Haus eine Spezialsammlung über Malerei und Plastik des späten Mittelalters am Niederrhein, dazu zählen Werke von Dries Holthuys, Arnt van Tricht oder etwa Henrik van Holt. Zudem gesellt sich, als weiterer Sammlungspunkt, das graphische Kabinett Robert Angerhausens. Bedeutsame Werke des Klever Grafen- und Herzogshofs, auch rund um Johann Moritz von Nassau-Siegen, finden ferner im Haus Unterkunft. Der alten Kunst widmet das Museum Kurhaus Kleve deshalb in wechselnden Abständen Ausstellungen, die jeweils Spiegel eines Zeitabschnitts der Region sind. So wurden etwa der bedeutende Bildhauer Dries Holthuys in einer Einzel-, die spätmittelalterlichen „Heiligen aus Holz“ in einer Gruppenausstellung vorgestellt.

Das Museum Kurhaus Kleve ist überdies das einzige Museum in Deutschland, das als Nutznießer der bis 2008 anvisierten Renovierungsarbeiten am Amsterdamer Rijksmuseum fungiert. Während der Umbauarbeiten werden Teile der Amsterdamer Sammlung in sechs Museen ausgelagert. Als einziges deutsches Haus ist, neben Antwerpen, Dordrecht oder Maastricht, auch Kleve dabei. In mehreren Ausstellungen zeigt es daher die rund 70 Skulpturen aus Holz oder Elfenbein aus der Periode zwischen 1200 und 1600. Thematisch knüpfen die Werke der überwiegend nieder- wie auch oberrheinischen Meister an die eigenen Bestände in der Region an. Prunkstücke wie Tilman Riemenschneiders „Verkündigung“ (Würzburg, um 1485-87) ergänzen das Ensemble.

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Das Museum Kurhaus Kleve
Artus Quellinus d.Ä., Pallas Athene (Porträt), 1660
Die Treppe zwischen Wandelhalle und Pinakothek, mit Lothar Baumgartens "Abgleich, Präludium, Variation II" und "Double Pendulum / Unity Without Whole"
Das Museum Kurhaus Kleve mit dem anliegenden Barockgarten (Photo: ArtMoritz)
Artus Quellinus d.Ä., Pallas Athene (Detail Eule), 1660
Die Gartenlandschaft am Museum Kurhaus Kleve mit Stephan Balkenhols Neuem Eisernen Mann (Photo: ArtMoritz)
Thomas Schütte, Großer Geist Nr. 7, 1997, im Innenhof des Museum Kurhaus Kleve © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Giuseppe Penone, L'ombra del bronzo, 2002 © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
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