Museum Kurhaus / Kleve

Ewald Mataré Sammlung


Ewald Mataré
Aquarelle 18.03.2007–12.08.2007

Anlässlich seines zehnjährigen Bestehens zeigt das Museum Kurhaus Kleve einen repräsentativen Querschnitt durch das bedeutende Aquarellwerk Ewald Matarés (Aachen-Burtscheid 1887-1965 Büderich bei Düsseldorf). Zu sehen sind rund 100 Arbeiten, die einen Bogen vom Früh- zum Spätwerk, von den 1920er bis in die 1950er Jahre, spannen.

In erster Linie handelt es sich um präzis beobachtete und direkt vor dem Motiv mit größter malerischer Delikatesse umgesetzte Landschaften, die vom fortwährenden Dialog des Künstlers mit der Natur zeugen.

Ewald Matarés Aquarelle sind seit fast dreißig Jahren nicht mehr in größerem Umfang gewürdigt worden. Viele der jetzt präsentierten Blätter waren noch nie öffentlich ausgestellt, einige sind erst vor kurzem überhaupt wieder entdeckt worden. In Ewald Matarés facettenreichem Oeuvre kommt dem Aquarell eine Sonderstellung zu. Wenngleich er als Maler ausgebildet war (er studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Berlin u.a. bei Lovis Corinth), begriff er sich seit dem Beginn der 1920er Jahre in erster Linie als Bildhauer und entwickelte seine abstrahierten Skulpturen von Tieren und Menschen aus dem intensiven Kontakt mit dem Material, vorzugsweise Holz. Die spezifischen Eigenschaften des Werkstoffs und der Widerstand, den er der Hand des Künstlers entgegensetzte, waren wesentliche Stimuli des Schaffensprozesses.

Die Herausforderung des Aquarells hingegen lag für Mataré im Fehlen jeglichen materiellen Widerstands, in der Luftigkeit und Transparenz der mit Wasser aufgetragenen Farbe. Es vermittelt daher in besonderer Weise ein Gefühl für das Ringen des Künstlers mit der Form, für sein Anliegen, sie zum „Ornament“, also zum Sinnbild der höheren Ordnung der Natur, zu verdichten. Somit eröffnen die Aquarelle einen Weg in die Mitte von Matarés Denken und zu den Grundsätzen seiner Kunst – auch wenn (oder besser: gerade weil) er selbst sie als „Übungsaufgaben“ oder „bloße Anfänge“ bezeichnete.

Wer sie betrachtet, versteht unmittelbar, was Mataré meint, wenn er schreibt, er wolle ein Motiv „auswendig lernen, um es dann später zu einem inneren Zusammenhang umzubilden“. Stets gegenwärtig ist dabei das große Vorbild Albrecht Dürer; schließlich war Mataré tief beeindruckt von dessen berühmtem Diktum, die Kunst stecke in der Natur, und wer sie herausreißen könne, der habe sie.

Ewald Mataré ist einer der wichtigsten und einflussreichsten Protagonisten der Klassischen Moderne in Deutschland. Zumal um die Entwicklung der Kunst im Rheinland nach 1945 hat er durch seine zahlreichen Arbeiten im öffentlichen Raum sowie durch sein Wirken an der Kunstakademie Düsseldorf, wo u.a. Joseph Beuys und Erwin Heerich zu seinen Schülern zählten, große Verdienste. Das Museum Kurhaus Kleve bewahrt und erforscht den umfangreichen Nachlass des Künstlers und führt deshalb den Titel „Ewald Mataré-Sammlung“.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

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Ewald Mataré, Monte Pertuso (Positano), 1926 © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Ewald Mataré, Hiddensee, um 1932 © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Ewald Mataré, Boote am Meer, um 1930 © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Ewald Mataré, Sechs Boote, 1925-26 © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Ewald Mataré, Nordsee, 1920-25 © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
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