Museum Kurhaus / Kleve

Ewald Mataré Sammlung


Kulturgut in Gefahr: Helfen Sie mit bei der Erwerbung der „Heiligen Drei Könige“!

Aufmerksamen Beobachtern sind sie keine Unbekannten: die Heiligen Drei Könige (um 1530–35) von Henrik Douverman (um 1480/90–1543 Kalkar), die sich seit 2005 als Dauerleihgaben im Museum Kurhaus Kleve befinden und den unvergleichlichen Höhepunkt niederrheinischer Bildschnitzkunst in der Mittelaltersammlung des Museums darstellen. Doch 2016 ist ein Notfall eingetreten: Nachdem der im Ausland ansässige Besitzer der Werke verstorben ist, will seine Erbengemeinschaft die Skulpturen aus dem Museum abziehen und auf dem internationalen Markt veräußern.

Nichtsdestotrotz hat sie der Bitte des Museums Folge geleistet und die Verkaufsaktivitäten im Jahr 2016 ausgesetzt – eine dringend benötigte Zeit für das Museum und den Freundeskreis, um eine bundesweite Kampagne zu starten und sich um die Erwerbung der spektakulären Skulpturengruppe zu bemühen.

Bereits im November 2016 kann ein positiver Zwischenbericht vermeldet werden: Angesichts der herausragenden Qualität der Dreikönigsgruppe kristallisiert sich die Chance heraus, sie mithilfe zahlreicher Förderer dauerhaft für Kleve sichern zu können. Der Freundeskreis bemüht sich u.a. um die Unterstützung der Ernst von Siemens-Kunststiftung und der Kulturstiftung der Länder.

Doch damit ist es nicht getan. Er benötigt auch die Hilfe jedes Einzelnen. Der Freundeskreis bittet seine Mitglieder, sich zahlreich an der Erwerbung der Heiligen Drei Könige zu beteiligen! Sie stellen nicht nur einen essentiellen Bestandteil der mittelalterlichen Sammlung des Museum Kurhaus Kleve dar, sondern sind für die Region als auch national hoch bedeutendes Kulturgut.

Es handelt sich um die teuerste Neuerwerbung in der Museumsgeschichte. Wir bitten Sie daher um Ihre finanzielle Unterstützung!

Spenden Sie bitte auf das Konto des Freundeskreises bei der Sparkasse Rhein-Maas
(IBAN: DE61 3245 0000 0005 0205 57,
BIC: WELADED1KLE,
Verwendungszweck: Heilige Drei Könige).


Durch die Heiligen Drei Könige formuliert Henrik Douverman ein großes Thema europäischer Kunst komplett neu und brillant, gelöst von jedweden Konventionen. Die drei Weisen aus dem Morgenland sind voller Pathos, Faible und Dramatik. Durch ihre exaltierte Haltung und Gesten, durch ihre prachtvollen Frisuren und Bärte sowie durch ihre luxuriösen Gewänder locken sie den Betrachter geradezu obsessiv an, um ihm, mit sowohl vorsichtig aufgeklappten als auch offensiv geöffneten Gefäßen, ihre Devotionalien darzubieten. Auf geradezu unnachahmliche Weise verkörpern sie die Lust der Entfaltung weltlicher Pracht, die charakteristisch für das Werk von Henrik Douverman ist. Sie bestätigt ihn als einen Künstler, der bildhauerische Virtuosität besitzt und es versteht, sie opulent einzusetzen als auch vorzuführen.

Der älteste der drei Könige wird in Köln und am Niederrhein üblicherweise als Melchior identifiziert. Sein Name ist hebräischen Ursprungs und bedeutet König des Lichts. Er ist an seinem langen Bart und an seiner Halbglatze zu erkennen. Der mittlere wird seit dem 15. Jahrhundert als Caspar bezeichnet. Sein Name ist persischen Ursprungs und bedeutet Schatzmeister. Während Melchior für das alte Europa steht, repräsentiert Caspar den Erdteil Asien. Im Kölner Erzbistum und in den rheinischen Niederlanden ist er der Mann, der altersmäßig zwischen dem Greis Melchior und dem Jüngling Balthasar steht, wodurch er das beste Mannesalter verkörpert.

Balthasar, der Afrika personifiziert, ist der jüngste der drei. Er trägt keinen Bart, ist dafür aber am auffälligsten gekleidet. In seiner Kleidung findet die Neigung des Bildhauers, die Könige dem Geschmack der Zeit entsprechend in einer dekorativrepräsentativen Tracht darzustellen, ihren großartigen Höhepunkt.

Douverman gilt als bedeutendster Bildhauer der Spätgotik am Niederrhein. 1515 ließ er sich in Kalkar nieder, wo er 1517 eingebürgert wurde. 1518 erhielt er den Auftrag für den Sieben-Schmerzen-Altar, sein heute in der Kirche St. Nicolai in Kalkar befindliches Hauptwerk, das 1522 vollendet und aufgestellt wurde. Douverman führte die spätgotische niederrheinische Bildschnitzkunst zu einem einzigartigen Höhenpunkt.

Seine Heiligen Drei Könige besitzen, bei aller spätmittelalterlichen Verklärung und Entrücktheit, in ihrem Auftreten etwas Modernes, gar Zeitloses. Sie sind Figuren, die wie Schauspieler agieren, deren Auftritt vom Künstler geradezu theatralisch organisiert ist.

Im Rheinland herrscht eine jahrhundertealte Verehrung der Heiligen Drei Könige. Ihre Geschichte beginnt im Matthäusevangelium, in dem von Magoi (Sternendeuter) aus dem Osten die Rede war, die von einem Stern an die Krippe nach Bethlehem geführt wurden und dem Neugeborenen Gold, Weihrauch und Myrrhe überbrachten. Angeblich entdeckte die Hl. Helena (†330), Mutter des römischen Kaisers Konstantin I., die Gebeine der Heiligen und brachte sie nach Konstantinopel. Der um 350 amtierende Bischof Eustorgius I. überführte die Reliquien nach Mailand.

Die Gebeine wurden erst 1158 in der zeitgenössischen Chronik des Abtes Robert von Mont Saint-Michel wieder erwähnt, kurz bevor Mailand durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa erobert wurde. 1164 brachte sie Barbarossas Erzbischof Rainald von Dassel als Kriegsbeute nach Köln, wo sie feierlich in den Alten Dom einzogen. Rainalds Nachfolger, Erzbischof Philipp von Heinsberg, ließ einen prachtvollen Schrein erschaffen, in dem die Gebeine noch bis heute ruhen. Damit war der Grundstein gelegt für eine jahrhundertelange Verehrung der Dreikönigsreliquien.

In den nachfolgenden Jahrhunderten wurde Köln neben Rom, Canterbury und Santiago de Compostela einer der vier bedeutendsten Pilgerorte der westlichen Welt. 1248 wurde mit dem Bau des gotischen Kölner Doms begonnen, dessen 1322 vollendete Chorhalle ein spektakuläres Gehäuse für den dort zentral aufgestellten Schrein der Heiligen Drei Könige darstellt.

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Henrik Douverman (um 1480/90-1543 Kalkar), Heilige Drei Könige (Caspar, Melchior und Balthasar), um 1530-35
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