Museum Kurhaus / Kleve

Ewald Mataré Sammlung


Teresiña Talarico 30.11.2003–11.01.2004

In einer Studio-Ausstellung zeigt das Museum Kurhaus Kleve neue Arbeiten der in Köln und Dordrecht (NL) lebenden Künstlerin Teresiña Talarico. In Santiago de Chile geboren und in Chile und Bolivien aufgewachsen, hat Talarico an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert. Während der vergangenen rund zehn Jahre entfaltete sie ein reiches und von hoher Sensibilität für die Farbe gekennzeichnetes malerisches Werk. In jüngster Zeit wird es ergänzt und vertieft durch Photographie und Video. Im Museum Kurhaus Kleve sind denn auch neben 22 Bildern und 8 Arbeiten auf Inkjet drei exemplarische Videoarbeiten zu sehen.

Teresiña Talaricos Malerei entwickelte sich in der bewussten Reflexion der Traditionen gegenstandsloser Kunst des 20. Jahrhunderts. Sie ist aber immer geprägt von großer Direktheit und Frische, denn ihr eigentliches Anliegen ist das Sehen, und es geht ihr um das unerschöpfliche Potential der Farbe. Die Bilder sind weder eindeutig gegenständlich, noch völlig abstrakt. Ihr Bedeutung konstituiert sich in der Anschauung. In den letzten Jahren hat Talarico auf Leinwänden von z.T. beträchtlichen Formaten flirrende Farbkompositionen geschaffen, die wie stills die Nervosität unserer schnelllebigen Epoche einfrieren, aber auch transzendieren. Zugleich werden Probleme wie die Dialektik von Ordnung und Chaos oder das Verhältnis von Fragment und Ganzem bzw. Individuum und Masse verhandelt.

Wie Talarico in ihren Ölbildern den Schritt von der unmittelbaren Wahrnehmung zu deren Vermittlung in Malerei thematisiert, so geht es ihr auch in den streng komponierten Videos um die Spannung zwischen Nähe und Distanz, zwischen dem, was offensichtlich, und dem, was unter der Oberfläche verborgen ist. Die Videos zeigen einfache, aber vielfach codierte Sachverhalte: einen überlaufenden Eimer, eine Taube auf einem Ast oder ein Taubenhaus. Die gewählten Ausschnitte und Brennweiten sind derart radikal, dass die Motive stark vereinfacht und in die Fläche gezwungen werden. Die dadurch bewirkte Reduktion und Abstraktion fordert den Betrachter heraus und öffnet die Bilder für komplexe Deutungen.

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